🐙🇮🇹🍝 Erster Abend in Bari – und es fühlt sich an, als wäre ich nie weg gewesen. Jedes Mal, wenn ich aus dem Flugzeug steige, habe ich das Gefühl, nach Hause zu kommen. Nur dass ich diesmal mit der kompletten Truppe da bin: Andra (meine Tochter), Carmen, Gheo (zu berühmt, um ihn noch vorzustellen) mit Delia und Iulia, dazu Nae und Maria. Die Idee für den Trip, genau zu Sankt Alexandru? Abgehakt. Der 100-km-Lauf? Der kommt noch.
Weil klar war, dass der Magen ordentlich eingeweiht werden musste, sind wir bei Mastro Ciccio vorbeigeschaut, diesem Street-Food-Laden, der mit „il miglior street food di Bari“ angibt. Ob’s wirklich das Beste ist, weiß ich nicht – aber der knusprige Polpo, den ich mir im Sandwich reingehauen habe, war so scharf, dass es dir den Hut vom Kopf zieht und dir beim Reinbeißen ein sympathisches „vaffanculo“ entlockt. Verdammt gut. 🤪
Nachdem wir ein bisschen durch diese Gässchen hoch und runter gezogen sind, die wirken, als wären sie nur dafür gemacht, dass man sich schön verirrt, sind wir auf dem Lungomare di Bari gelandet. Zum ersten Mal in meinem Leben bin ich in dieses Panorama-Riesenrad gestiegen. Ein bisschen ging mir der Arsch auf Grundeis, als sie uns oben angehalten haben und es aussah, als hätten sie uns vergessen – aber ich hab auf Zen gemacht. Sagen wir mal so. 🤭
Danach sind wir zu Martinucci für Pasticiotti. Meine Güte… das sind keine Gebäckstücke, das sind Sirenen, die dir süß etwas vorsingen und dich in ihre fluffige Falle mit feinen Cremes locken. Ich hab sie in Aperol Spritz getunkt, weil man das so macht, wenn man ein ernstzunehmender Mensch im Urlaub ist. Ohne Limit, ohne Scham.
Kurzer Abstecher zur Basilica di San Nicola, wie im Märchen beleuchtet, und dann direkt zu Lo Svevo. Das Restaurant, das ich eigentlich nie auslassen will. Nae war nach Mastro Ciccio leicht skeptisch und konnte es kaum erwarten, den berühmten Oktopus mit Favabohnen zu probieren, den ich die ganze Zeit in den Himmel gelobt hatte.
Und hier beginnt die Magie. Ihr Oktopus ist wirklich… dieses verdammte Flauschwunder. So zart, dass er schon auseinanderfällt, wenn du ihn schief anschaust. Die Favabohnen sind eigentlich ein dickes, feines Püree, das sich wie eine Creme über den Teller zieht. Darauf kommen karamellisierte Zwiebeln, süß und weich, diese getrockneten Tomaten, die aber in richtig gutem, glänzendem Olivenöl getränkt sind, und die Polpo-Stücke (Oktopus), genau richtig angebraten. Alles riecht nach Meer, nach Rauch, nach gutem Öl und nach dem Süden Italiens. Dieser Teller haut dir so eine Lust aufs Essen um die Ohren, als hättest du drei Tage nichts gegessen. Genau die Art Gericht, die dir automatisch das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt und diesen tierischen Impuls auslöst: Lass mich in Ruhe, ich will essen.
Wir hatten auch Parmigiana di Melanzane, Würstchen aus einer Mischung aus Rind und Schwein, eine Käseplatte aus Apulien, geröstete Paprika, die dich umhauen, und natürlich Patate, riso e cozze. Dieses Essen, das wirkt, als wäre es aus allem gekocht, was man gerade im Haus hatte – und das für diese Gegend doch pure Geschichte ist. Ein Gericht, geboren in Fischerfamilien: Kartoffeln, Reis, Muscheln roh darauf, und dann alles langsam, ganz langsam überbacken, bis etwas entsteht, das komisch aussieht, aber schmeckt wie „ich habe nichts zu meckern“. Als ich es letztes Jahr zum ersten Mal probiert habe, war ich nicht überzeugt. Jetzt hätte ich’s glatt noch einmal bestellt. Diese Creme zwischen den Schichten aus Kartoffeln und Muscheln ist genau die Kombination, die dich gewinnt.
Am Ende hatte ich das Gefühl, irgendwer hat uns gespürt. Vito tauchte auf, der Owner, ein Freund von letztem Jahr. Familienrestaurant, warmer Mensch, Witze, Geschichten, das volle Programm. Er hat uns wiedererkannt und wir haben ein bisschen geplaudert – über Oktopus, über letztes Jahr, darüber, was wir so kochen und was wir so laufen. Und er hat uns auch einen Digestif hingestellt… so eine Art Schnaps, der dir Flammen den Hals hochjagt, aber effektiv – soll er leben.
Und natürlich sind wir nicht gegangen, ohne ihr Tiramisu mit Bier. Als Idee seltsam, in echt überraschend gut.
So hat unser Abend in Bari begonnen. Genau so, wie ich wusste, dass er sein muss: mit gutem Essen, Spaziergängen, Freunden und kleinen Abenteuern, die die Geschichte Stück für Stück zusammensetzen. 🤗
Story
Ein Abend in Bari. Oktopus, Aperol und das Versprechen der 100 Kilometer
Nov 14, 2025
· 5 min read